IMPEXunlimited

SUSPICIOUS SETTING

SUSPICIOUS SETTING

upcoming exhibition
9.9.06-21.10.06, Architektur Galerie Berlin, Ackerstr. 19
Vernissage 8.9.06, 19 h

Wachtürme im öffentlichen Raum von Mexico City sollen zunächst Sicherheit suggerieren, wirken aber aufgrund ihrer spezifischen Architektur und entsprechend ihrer Funktion abwehrend, bedrohlich. Sie vermitteln nicht nur das Gefühl einer besonderen Kontrolle, sondern unterstützen grundsätzlich die Annahme, es handele sich um eine wirklich gefährliche Gegend, wenn es notwendig ist, sie auf solche Weise zu „schützen“. Diese scheinbare Sicherheitsmaßnahme ruft also eigentlich eine Verunsicherung beim Passanten hervor. Er beobachtet den Raum genauer und reagiert sensibler und mißtrauischer auf seine Gestaltung und auf gewisse Situationen. Das kann dazu führen, dass er eine Krisenhaftigkeit vermutet und sich entsprechend verhält (Vermeidung z.B.), wo eigentlich objektiv gesehen gar keine ist, wo er aber aufgrund von wiederum v.a. architektonischer Gestaltung die Situation als potentiell gefährlich einschätzt. Die Einschätzung des Ortes wird nicht selten auf die seiner Nutzer übertragen: auch sie werden so zu suspekten Gestalten. Solche „gefährlichen Gegenden“ bieten einen idealen Nährboden für self-fulfilling prophecies und werden so sehr schnell tatsächlich gefährlich. Damit schaffen sie eine scheinbare Legitimation für noch mehr einschüchternden Sicherheitsbauten und -installationen. Die Frage ist: was ist eigentlich zuerst da, der Wachturm oder das Krisengebiet? Und wie ruft die Existenz des einen das andere hervor, wie kann also durch Architektur unter Umständen eine Crime-Scene regelrecht konstruiert werden?
Die Präsentation sieht eine Gegenüberstellung zweier Wahrnehmungsebenen vor: Fotos von Wachtürmen werden im klassischen Dokumentarstil gezeigt, sie vermitteln den Ist-Zustand, das was gesehen wurde und nun als Interpretationsgrundlage für die Beurteilung der Gegend dient. Die s/w-Bilder, in Punkte aufgerastert, illustrieren dagegen das, was im Kopf passiert, sozusagen eine Art kollektive Vorstellung. Mehr oder weniger harmlose Szenerien werden zweifelthaft, verdächtig.
Der Vagheit und Irrationalität dieser Bilder entspricht ihre Präsentation: je näher man ihnen kommt um Details zu betrachten, desto undeutlicher werden sie, am Ende steht man vor einem Feld verschiedener Punkte ohne erkennbaren
Sinn.